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Teil 3 Rotwild-Management:

Warum ist immer mehr Kahlwild im Revier anstelle der Hirsche?

Eigentlich unterstellt doch beinahe jeder Jäger eines Rotwildrevieres seinem Nachbarn direkt oder indirekt zu viele Hirsche zu schießen und das Kahlwild laufen zu lassen, denn anders wäre es ja nicht erklärbar, dass man selbst zig Stücke Kahlwild auf jeden raren Hirschen zu Gesicht bekommt, oder?

Dabei führen die Männchen bei polygamen Tieren (ein Männchen verpaart sich mit vielen Weibchen) einfach ein gefährliches Leben… und dieses gefährliche Leben startet bereits bei der Befruchtung der Eizelle!

Rein rechnerisch bestet bei jeder Befruchtung eine 50% Chance, dass ein Hirsch-Embryo entsteht (entweder wird ein X-Chromosom oder eben ein Y-Chromosom vererbt). Tatsächlich ist es aber so, dass es nur für gut genährte, dominante Alttiere vorteilhaft ist ein Hirschkalb zu setzen, denn dieses Kalb muss sich gegen viele Gefahren und viel Konkurrenz durchsetzen bis es vielleicht einmal der Platzhirsch sein wird; wenn er es schafft, gibt er die Gene vom Alttier an besonders viele Nachkommen weiter, was dann einem Lotto-Höchstgewinn entspricht. Wenn die Ressourcen aber knapp sind, ist es der sicherere Weg ein Wildkalb zu setzen, da es sich zwar weniger vermehrt wie der Platzhirsch, aber mit großer Wahrscheinlichkeit überhaupt in die Reproduktion gehen wird, selbst bei widrigen Umständen.

So kommt es, dass bei hoher Populationsdichte mit entsprechender Nahrungskonkurrenz bereits bei der Befruchtung in Richtung Wildkalb gelenkt wird und weniger Hirsch-Embryonen entstehen. Auch während der fetalen Entwicklung wächst der Hirsch-Embryo schneller als seine Schwestern und ist anfälliger für kalte Regenperioden und Futterstress, so dass auch da mehr Trächtigkeiten von männlichen Föten verloren gehen als weibliche.

Genau so geht es bei den Kälbern weiter: auch da ist die Sterblichkeit beim Hirschkalb höher. Dann kommen die zehrenden Rangkämpfe und das Brunftgeschehen dazu, so dass die Alterspyramide beim Hirsch wesentlich steiler abfällt als beim weiblichen Kahlwild.

Wenn also im eigenen Revier die Hirsche nach und nach durch immer mehr Kahlwild abgelöst werden, dann liegt das vielleicht nicht am bösen Nachbarn und es lässt sich auch nicht durch das schonen der Hirsche korrigiert, sondern über eine generelle Korrektur der Überpopulation, damit wieder Hirschkälber in größerer Menge das Licht der Welt erblicken. Die These wer viel Kahlwild hat, hat viele Hirsche stimmt also nur sehr bedingt.



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