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Teil 2 Rotwild-Management:

Sinn und Unsinn von exakten Abschussplänen

Die Rotwilddichte nahm in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur in der Ostschweiz sondern in gesamt Mittel- und Westeuropa zu: von 0,32 Stück pro Quadratkilometer 1984 auf 0,44 Stück im Jahr 2005 und 2,88 Stück Rotwild im Böhmerwald (Bayerisch-Tschechische Grenze) im Jahr 2020.

Für die Verdoppelung der Population braucht Rotwild ohne Bejagung nur 4,5 Jahre! In der Schweiz dauert es mit Jagd 10 Jahre und im „härteren“ Norwegen mit einer höheren Kälbersterblichkeit im Winter und Bejagung 14 Jahre.

Europaweit wird eine jährliche durchschnittliche Abschussquote von 25% der Gesamtpopulation als realistisch und nachhaltig angesehen, während bei Zahlen von >35% Abschuss entweder ein Reduktionsabschuss stattfindet oder die Gesamtpopulation zu gering eingeschätzt wurde, denn oft ist es gar nicht so leicht zu ermitteln, wie groß die Gesamtpopulation sein wird.

Durch die Analyse von Langzeitdaten aus Gebieten mit sehr unterschiedlicher Abschussplänen konnte gezeigt werden, dass die Jagdstrecke in allen Gebieten langfristig sehr ähnlich aufgeteilt ist: knapp 40% der Strecke machen die Kälber aus, 15% sind Schmaltiere, 20% Alttiere, gut 20% 1-3 jährige Hirsche und gerade einmal 6% Hirsche >3 jährig. Wenn die Strecken auf lange Sicht eh gleich ausfällt, egal wie die Bejagungsvorgaben waren, dann fragen wir uns natürlich wie zielführend die konkreten Abschusspläne nach Alter, Geschlecht und Klasse sind, denn ob solche Pläne die Bestandsentwicklung überhaupt gezielt beeinflussen kann, steht in den Sternen …dabei sprechen wir noch nicht einmal von den weit detaillierteren Freigaben mit Geweih-Gewichtsgrenzen, Endenanzahl und Kronen… ob also in der Ostschweiz der eine oder andere 7 jährige Hirsch an der Wand gefeiert wird, oder man in Bayern gelüncht wird weil der erlegte Hirsch erst 10 Jahre und 11 Monate auf dem Buckel hatte anstatt 11+ Jahre, dürfte der Rotwildpopulation selbst mit großer Wahrscheinlichkeit egal sein… Ein Hirsch nimmt ab 2,5 Jahren am Brunftgeschehen Teil und gilt ab 3,5 Jahren bereits im besten Zuchtalter, auch wenn er gegen starke, ältere Hirsche noch nichts zu melden hat. Ist das natürliche Geschlechtsverhältnis von 1,5 Tiere pro erwachsenem Hirsch deutlich in Richtung mehr Tiere pro Hirsch verschoben, kommen auch die jungen Hirsche zum Zuge, so dass bis zu einem Verhältnis von 5-7 Tiere auf jeden >3 jährigen Hirsch nahezu jedes Tier beschlagen wird und die Reproduktionsrate nicht sinkt.



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